Das Prinzip
der Strahlungsheizung
Bei einer Strahlungsheizung erfolgt die Wärmeübertragung
hauptsächlich durch langwellige Wärmestrahlung. Um die Wärme als
angenehm zu empfinden, muss man sich in Sichtweite des "Heizkörpers" d. h.
der "strahlenden Elemente" befinden.
Beeinflussung durch "Schatten" also Abschirmung der
Wärmestrahlung, sollte möglichst vermieden werden. Wichtig für
den Heizkomfort einer Strahlungsheizung ist die Steuerung und
Regelung. Sie sollte eine kontinuierliche Warm- bzw.
Kaltwasserzufuhr gewährleisten, da eine Unterbrechung der Wärmezufuhr
relativ schnell spürbar wird und die Raumtemperatur
absinkt. Bewährt hat sich die modulierende Regelung. Eine
Strahlungsheizung erwärmt zuerst die Raumbegrenzungen (Wände,
Fussboden) sowie Personen und Gegenstände, die
"angestrahlt" werden. Deshalb wirkt eine Strahlungsheizung
stets direkt, d. h. ohne ein wärmeübertragendes Medium (z. B.
Luft). Dieses wird erst später durch die Reflexion der Gegenstände
und Personen erwärmt. Die Lufttemperatur kann bei einer
Strahlungsheizung stets niedriger sein - bei der gleichen angenehmen
Wärme und Behaglichkeit.
Das Strahlungsklima
Die Strahlungsheizung ist schon so alt wie die Menschheit. In
grauer Vorzeit, als unsere Ahnen mit Keulen bewaffnet und in
Bärenfelle gehüllt herumliefen und in Höhlen lebten, wärmten sie
sich an der angenehmen Strahlung des Holzfeuers.
Der moderne Mensch hat sich etwas vom Reiz der primitiven
Lebensweise seiner Ahnen bewahrt und in seinen heutigen Lebensstil
übernommen: das Lagerfeuer, den offenen Kamin, den Kachelofen, das
Grillen.
Schon 1907 wurde dem Engländer Barker das Patent für ein Strahlungsheizungssystem
erteilt. Es war eine Gipskonstruktion, in der sich mit warmem Wasser durchflossene
Stahlrohre befanden. Dieses und ähnliche Systeme, wie
zum Beispiel Critall, konnten sich in England wegen der langen nebligen
Winter mit gleichmässiger Aussentemperatur gut entwickeln.
Die grosse Trägheit dieser Systeme
spielte dabei keine wichtige Rolle - besassen doch die Gebäude zu
dieser Zeit nur relativ kleine Fenster.
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Abb.:
Behaglichkeitskriterien bei unterschiedlichen Temperaturen
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Ausserdem hatten die
Aussenwände eine grosse Wärmespeicherfähigkeit.
Die moderne Bauweise mit ihren relativ grossen Fensterflächen
und ihrer leichten Dachkonstruktion mit geringem Speichervermögen
bewirkte vor allem für die Zentralheizungen einen enormen
Aufschwung.
Die Zentralheizung schuf nun ein besseres Raumklima. Dadurch
wurde aber der Mensch immer sensibler für störende Faktoren und
Erscheinungen, die sein Wohlbefinden beeinflussten: z. B. sogenannte
Kältebrücken durch kalte Fensterrahmen, Wärmeabstrahlung auf
kältere Flächen in der Umgebung, Sonneneinstrahlung, zu niedrige
oder zu hohe Luftfeuchte.
Wir kennen heute eine Reihe von exakt definierten Faktoren, die
unser Wohlbefinden in Innenräumen wesentlich beeinflussen:
- Lufttemperatur
- mittlere Strahlungstemperatur
- Luftbewegung
- Luftfeuchtigkeit
- Oberflächentemperaturen
- Luftwechsel
- Luftreinheit
- Geräuschpegel
Unter idealen Bedingungen, d. h. in einem Raum, in dem sowohl die
Luft- als auch die Strahlungstemperatur ca. 20 °C betragen, gibt
der Mensch seine überflüssige Wärmeproduktion wie folgt ab:
- durch Strahlung auf umliegende Flächen ca. 50 %
- durch Konvektion an die Raumluft ca. 25 %
- durch Verdampfung auf der Hautoberfläche ca. 25 %
Bei der Wärmeabgabe des Körpers ist Verstrahlungsanteil am
höchsten. Deshalb kommt der Strahlungstemperatur im Raum die
grösste Bedeutung zu.
In Räumen mit Aussenflächen sinken die
Innenoberflächentemperaturen von allen Aussenflächen im Winter
deutlich unter die Lufttemperatur im Raum. Die mittlere
Strahlungstemperatur kann darum auch erheblich von der
Lufttemperatur im Raum abweichen. |